Die zehn größten Irrtümer zu Diabetes
Wie bei vielen chronischen Krankheiten kursieren auch zu Diabetes jede Menge Unwahrheiten. Sicher, an mancher Volksweisheit ist auch etwas dran, es gibt aber mindestens ebenso viele, die falsch und teilweise sogar gefährlich sind. Zehn der gängigsten Vorurteile haben wir für Sie zusammengefasst. Unser abschließender Rat lautet: Lassen Sie sich nicht so schnell beeinflussen. Wahrscheinlich sind Sie selbst schon Experte genug, um wertvolle Tipps von Ammenmärchen zu unterscheiden.
1. Diabetes? Selber Schuld!
So lautet ein gängiges Vorurteil über Menschen mit Diabetes. Als wären sie an ihrer Krankheit selbst schuld, weil sie zum einen nicht die Disziplin aufbringen, Diät zu halten, und zum anderen die komplizierte Therapie nicht verstehen. Natürlich ist das Unsinn, denn die Stoffwechselerkrankung kann jeden treffen, auch den asketisch-schlanken Universitätsprofessor.
Manchmal ist es tatsächlich sehr schwierig, den Blutzucker in den Griff zu bekommen. Das ist nicht nur eine Frage der Disziplin, denn beim Diabetes spielen viele Faktoren eine Rolle. Allein schon die ganz normalen weiblichen Hormonschwankungen während des Zyklus haben Einfluss auf den Blutzucker. Genauso können Medikamente, andere Erkrankungen und psychische Faktoren den Blutzuckerspiegel beeinflussen.
2. Diabetiker dürfen keinen Sport treiben
Das ist nicht nur falsch, sondern auch gefährlich, denn Sport ist auch für Menschen mit Diabetes gesund und extrem wichtig. Einschränkungen gelten nur bei bestimmten Begleit- oder Folgekrankheiten, wie diabetischer Neuropathie, oder bei Gefäßkomplikationen oder Herz-Kreislauf-Störungen. Sport hilft bei der Verbrennung von Kohlenhydraten und Fetten, fördert die Durchblutung und stärkt Muskeln und Organe.
3. Mit dem Genießen ist es für alle Zeiten vorbei
Die Ernährung von Menschen mit Diabetes ist nichts anderes als das, was man als „gesunde, ausgewogene und abwechslungsreiche Kost“ bezeichnet. Eine bewusste Auswahl und Zubereitung der Lebensmittel sorgt nicht nur für gute Blutzuckerwerte, sondern wirkt sich positiv auf das Körpergewicht aus. Und gesunde Nahrung ist ja nicht gleichbedeutend mit langweiligen Gerichten. Interessante Zusammenstellungen, raffinierte Kräuter, Alkohol in Maßen und bestimmte Süßigkeiten sind auch bei Diabetes erlaubt.
4. Diät-Produkte: Dann klappt’s auch mit der Ernährung
In den Supermärkten gibt es mittlerweile ganze Regalreihen voller Diät-Produkte. Aber Vorsicht, Diabetes-Produkte sind kein Freifahrschein! Im Gegenteil, denn was hier an Zucker eingespart wird, kommt häufig in Form von Fett wieder hinzu. Achten Sie genau auf die Inhaltsangaben auf den Packungen. Im Zweifelsfall ist ein selbst gemachter Nachtisch aus Milchprodukten und Obst diesen Produkten vorzuziehen.
5. Diabetes wird vererbt
Zwar ist die Wahrscheinlichkeit, an Diabetes zu erkranken, höher, wenn die Zuckerkrankheit bei Familienangehörigen vorliegt, doch gibt es keine zwingende Vererbung. Vererbt wird allein die Anlage, einen Diabetes zu entwickeln. Es gibt Familien, in denen sich die Erkrankung auf ein einziges Mitglied beschränkt, so wie an Diabetes erkrankte Menschen auch gesunde Kinder bekommen können.
6. Alle Diabetiker sind dick
Viele Menschen mit Diabetes sind dick, aber nicht alle. Zwar steigt mit jedem Pfund zuviel die Wahrscheinlichkeit, einen Typ-2-Diabetes zu entwickelt, doch produzieren circa 15 Prozent aus dieser Gruppe zu wenig Insulin, ohne übergewichtig zu sein. Menschen mit Typ-1-Diabetes sind in der Regel nicht übergewichtig.
7. Diabetes macht unspontan
Diätplan, Insulinspritzen, Arztbesuche, wie soll man denn damit feiern oder verreisen?
Mit etwas Voraussicht ist das kein Problem. Behalten Sie Ihre Geräte und Medikamente möglichst häufig bei sich, dann ist es auch kein Problem, wenn ein Ausflug mal länger dauert und mit einem spontanen Restaurantbesuch endet. Reisen sollten Sie mit einem guten Blutzuckerwert und ausreichenden Medikamenten starten. In ungewohnter Umgebung mit ungewohntem Essen empfehlen sich außerdem häufigere Blutzuckermessungen. Zur Sicherheit können Sie sich auch vergewissern, dass am Reiseziel ein Arzt ist, der Ihre Sprache spricht.
8. Diabetes führt über kurz oder lang zur Insulinabhängigkeit
Bei der Therapie des Diabetes wird zunächst eine Umstellung des Lebensstils angestrebt. Wenn Nahrungsumstellung, mehr Bewegung und Abnehmen nicht zum gewünschten Erfolg führen, verordnet der Arzt zunächst blutzuckersenkende Medikamente. Erst wenn diese nicht die gewünschte Wirkung zeigen, wird Insulin eingesetzt.
9. Diabetes macht zeugungsunfähig
Diabetes kann zu Erektionsstörungen führen, Orgasmus und Ejakulation sind davon nicht betroffen. Meist liegen die Gründe in einer Schädigung des Nervensystems, bei circa einem Drittel der Betroffenen geht man von Gefäßstörungen aus. Es ist wichtig, mit dem Arzt über diese Probleme zu sprechen, denn es gibt eine Reihe von Behandlungsmöglichkeiten, zu denen physikalische Hilfsmittel und Medikamente gehören.
10. Diabetiker verlieren ihre Füße
Durch die Schädigung der Nerven und die damit verbundenen Gefühlsstörungen bemerken viele Betroffene kleine Verletzungen an den Füßen nicht. Da der Diabetes gleichzeitig auch die Blutgefäße schädigt, werden die Füße schlechter durchblutet, und Wunden heilen schlecht ab. So können aus kleinen Verletzungen Geschwüre werden, ganze Gewebsareale sterben ab. Im schlimmsten Fall kann eine Amputation nicht mehr verhindert werden. Doch wie alle diabetischen Spätkomplikationen (z. B. Augen- oder Nierenschäden) ist auch der diabetische Fuß mit einer passenden Therapie in der Regel vermeidbar. Wirksame Prophylaxe-Maßnahmen sind eine frühe Therapie, eine genaue Beobachtung der Haut sowie die medizinische Fußpflege.








