Anhaltend hohe Blutzuckerwerte schädigen das Gewebe und die Organe dauerhaft.
Davon sind vor allem die Blutgefäße betroffen. Die Folgekrankheiten des Typ-2-Diabetes lassen sich daher in zwei Hauptgruppen zusammenfassen: mikrovaskulär (kleine Blutgefäße betreffend) und makrovaskulär (große Blutgefäße betreffend). In beiden Fällen kommt es zu Verengungen der Adern, was zu Durchblutungs- und Funktionsstörungen der verschiedenen Organe führt.
Zu den mikrovaskulären Komplikationen gehören Augenschäden (Retinopathie), Nierenschäden (Nephropathie) und Nervenschäden (Neuropathie). Makroangiopathien sind krankhafte Veränderungen an den großen und größeren Arterien des Körpers. Es kommt zu Ablagerungen, die landläufig als Arterienverkalkung bezeichnet werden. Die Folgen sind koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Schlaganfall und arterielle Verschlusskrankheit in den Beinen (Schaufensterkrankheit).
Folgeschäden können in diesen Körperregionen auftreten:
Nieren
Das Spektrum der durch Typ-2-Diabetes verursachten Nierenerkrankungen reicht von leichten Gefäßwandschäden, die sich durch Eiweißausscheidungen bemerkbar machen, bis zum Nierenversagen. In diesem Fall wird dauerhaft eine künstliche Blutwäsche, Dialyse genannt, erforderlich.
Unser Entgiftungsorgan filtert in hunderttausend kleinen „Kläranlagen“, den Nierenkörperchen – auch Glomeruli genannt –, das Blut. Durch den anhaltenden Kampf mit dem hohen Blutzucker kommt es zu Verdickungen der feinen Membranen dieser Körperchen. Die Nieren können über lange Zeit diesen Zustand kompensieren, doch wenn sie der hohe Blutzucker über viele Jahre unentdeckt schädigen kann, kommt es zu ernsten Funktionsstörungen, auch diabetische Nephropathie genannt. Das Risiko einer Nephropathie steigt zusätzlich bei Bluthochdruck, und sie kann ihrerseits einen hohen Blutdruck (arterielle Hypertonie) verstärken.
Augen
Auch die Augen sind oft von diabetischen Folgeerkrankungen betroffen. Erhöhte Blutzuckerwerte können zur Schädigung der kleinen Blutgefäße der Netzhaut führen (Mikroangiopathie). Man spricht von diabetischer Retinopathie, der häufigsten diabetischen Augenerkrankung. Die Gefäßveränderungen führen einerseits durch Verschlüsse der Gefäße zu einer Mangelversorgung, andererseits kommt es durch Veränderungen an den Gefäßwänden zu Blutungen in der Netzhaut.
Das Anfangsstadium bemerken die Betroffenen selten. Sehbeeinträchtigungen treten häufig erst dann auf, wenn die Netzhautschäden weit fortgeschritten sind. Die Patienten bemerken eine Sehminderung wie unscharfes, verschwommenes Sehen, dunkle Flecken oder einen „grauen Vorhang“ im Gesichtsfeld. Wenn auch der Punkt des schärfsten Sehens in der Makula, der sogenannte gelbe Fleck, betroffen ist und es in diesem Bereich zu Flüssigkeitsansammlungen und einer Verdickung der Netzhaut kommt, spricht man von diabetischer Makulopathie bzw. einem diabetischen Makulaödem, dem häufigsten Grund für Erblindungen bei Menschen im erwerbstätigen Alter.
Zum Erhalt des Sehvermögens ist das rechtzeitige Erkennen und Behandeln der Augenveränderungen sehr wichtig. Daher sollte jeder Diabetiker gleich zu Beginn seiner Erkrankung seinen Augenarzt aufsuchen. Danach ist eine mindestens jährliche augenärztliche Kontrolle unbedingt notwendig. Auch der Graue Star (Katarakt), der mit einer Trübung der Linse einhergeht, und der Grüne Star (Glaukom) kommen bei Menschen mit Diabetes häufig vor.
Nerven
Schädigungen des Nervengewebes, auch diabetische Neuropathie genannt, führen
zu Funktionsausfällen derjenigen Organe, die von den entsprechenden Nerven
versorgt werden. Die Folgen sind Bewegungsstörungen (motorische Störungen) und Gefühlsstörungen (sensible Störungen). Letztere sind häufiger und äußern sich in Taubheitsgefühlen, Kribbeln und „Ameisenlaufen“ oder Schmerzen.
Herz
Kommt es zu einer Einengung der Herzkranzgefäße, wird der Herzmuskel nicht mehr ausreichend durchblutet. Die koronare Herzerkrankung, auch Angina pectoris genannt, kann im schlimmsten Fall zum Herzinfarkt führen. Außerdem können aufgrund der Nervenschädigungen Herzrhythmusstörungen auftreten.
Füße und Unterschenkel
Der sogenannte diabetische Fuß entsteht durch zwei Faktoren: Durch die Schädigung der Nerven und die damit verbundenen Gefühlsstörungen bemerken viele Menschen mit Diabetes kleine Verletzungen an den Füßen nicht. Weil das Gewebe außerdem schlecht durchblutet ist, heilen Wunden schlechter ab. So können aus kleinen Verletzungen Geschwüre werden. Ganze Gewebsareale sterben ab, und im schlimmsten Fall kann eine Amputation nicht mehr verhindert werden.
Zur Vorbeugung sollten Menschen mit Diabetes vermeiden, barfuß zu laufen. Die Fußpflege sollte ohne spitze Gegenstände, wie z. B. spitze Scheren, erfolgen. Eine regelmäßige professionelle Fußpflege ist daher sehr ratsam. Ihr Arzt kann Ihnen sicher mit Adressen von auf Diabetes spezialisierten Fußpflege-Einrichtungen helfen. Natürlich können Sie auch hier nach ausgebildeten Fußpflegern suchen.
Gehirn
Durch eine Verengung der das Gehirn versorgenden Blutgefäße ist das Schlaganfallrisiko stark erhöht. Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Da das Gehirn auf die Verbrennung von Zucker angewiesen ist, sind auch Hypoglykämien gefährlich. Ist der Blutzuckerspiegel niedrig, kann das Gehirn nicht mehr richtig arbeiten, der Betroffene kann nicht mehr adäquat reagieren und benötigt fremde Hilfe. Neueste Studien zeigen, dass bei dauerhaft wiederkehrendem schweren Unterzucker die Gefahr einer Demenz erheblich steigt.








